Welcher Kindergarten ist der Beste für mein Kind? | FURNART Blog

Irgendwann stellt sich bei jungen Eltern die Frage, wohin mit meinem Neuerwerb, wenn ich wieder arbeiten muss. Im besten aller Fälle entscheiden sich Eltern für einen Kindergarten. Der junge Spross sollte bereits früh in den Kontakt mit gleichaltrigen Spielgenossen kommen, um ordentlich mit anderen Kindern toben zu können und soziale Kontakte zu knüpfen. Die Erziehung durch die Gemeinschaft als Teil der Gemeinschaft, nimmt in der heutigen Zeit einen hohen Stellenwert ein. 

Doch halt  spielen? Ist Spielen in Gemeinschaft noch en vogue? Oder muss mein Kind bereits mit zwei Jahren auf französisch seine Milch bestellen oder sich stringent auf den Mathematik-Nobelpreis vorbereiten? Lernen, lernen und nochmals lernen? So klein und bereits täglich in Strukturen, die das Kind auf einen Arbeitsalltag vorbereiten  oder doch alles ganz anders? Welcher pädagogische Ansatz ist wohl der Richtige?

Damit sich die geneigte Elternschaft konkreter mit solchen Fragestellungen beschäftigen kann, hat es Sinn sich einmal mit den verschiedenen pädagogischen Konzepten auseinander zu setzen. Pädagogisches Konzept, pädagogischer Ansatz? Das wäre auch schon der erste Anhaltspunkt zur Auswahl der Kita, hat der Kindergarten ein Konzept, nach dem es mit dem ihm anvertrauten Genmaterial den Tag verbringt?

Irgendwas sollte im Kindergarten zu finden sein, ein pädagogischer Ansatz oder ein Leitbild, nach dem die dort arbeitenden Menschen in ihrem Kindergarten mit den lieben Kleinen interagieren. Dieses muss nicht gleich Rudolf Steiner oder Maria Montessori persönlich aus der Feder geflossen sein  aber eine gewisser Ansatz bzw. ein Art Selbstverständnis sollte vorhanden sein. Doch welche Konzepte gibt es und wo sind die Unterschiede? Welche Pädagogik, welcher Kindergarten macht das Beste mit meinem Kind und dessen Entwicklung? 

Die verschiedenen Kindergarten-Konzepte

Um diese Fragen eventuell beantworten zu können, möchte ich die mir bekannten Kindergarten-Konzepte kurz vorstellen und erläutern. 

  1. die Montessori Pädagogik
  2. die Waldorf Pädagogik
  3. der Reggio-Kindergarten
  4. der Waldkindergarten

Die Montessori Pädagogik 

Als erstes: wer irgendwo liest, dass bei diesem Konzept die Kinder sich selbst überlassen werden und machen können was sie wollen - Unsinn, Quatsch, Bullshit!

Das Konzept wurde in den Anfängen des 19. Jahrhunderts von Maria Montessori erarbeitet. Sie war eine italienische Ärztin und Pädagogin - im übrigen die erste Frau, die in Italien einen Doktortitel erwarb! Sie entdeckte, dass Kinder in ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durchlaufen und in diesen besonders empfänglich für bestimmte Themen sind. Jedes Kind ist einzigartig und hat seine ganz individuellen "sensiblen Phasen". In diesen Phasen ist es besonders empfänglich für z. B. Fremdsprachen oder Mathematik. Die Aufgabe der Pädagogen ist es, das Kind in diesen Phasen zu unterstützen und die optimalen Rahmenbedingungen für das selbständige und individuelle Lernen zu schaffen. Diese Unterstützung erfolgt durch die sogenannte "vorbereitete Umgebung" im Kindergarten. Bei diesem Konzept wird davon ausgegangen, dass Kinder von sich aus einen natürlichen Drang haben zu lernen und mit ihrer Neugier die Welt zu erkunden. Die Aufgabe der Pädagogen ist es, diese Neugier und den Willen zum Lernen zu unterstützen. "Hilf mir es selbst zu tun" ist der bestimmt bekannteste Spruch und zu gleich das Motto der Montessori Pädagogik. Ein weiteres Buzzword aus der Montessori Pädagogik ist die "Polarisation der Aufmerksamkeit". Soll heißen, wenn ein Kind sich mit einem Material oder einem Spiel intensiv beschäftigt, wird kein Erzieher es dabei stören, da die kindliche Fähigkeit zur Konzentration als Voraussetzung für Lernprozesse und damit zur Aneignung zur Bildung betrachtet wird.   

Weitere wichtige Rollen in der Pädagogik spielen die Montessori-Materialien bzw. zum besseren Verständnis  das Spielzeug:

  • kosmisches Material
  • Sprachmaterial
  • Mathematisches Material
  • Sinnesmaterialien und 
  • Übungen des täglichen Lebens

 

All diese Materialien sind so aufbereitet, dass die Kinder eine Neugier entwickeln, sich damit zu beschäftigen und gleichzeitig geistig gefordert werden, um durch das Spiel zu lernen. 

Die Waldorfpädagogik

Die Waldorfpädagogik beruht auf der anthroposophischen Menschenkunde Rudolf Steiners. Die Begründung dieser ersten Waldorfschule erfolgte bereits im September 1919 in Stuttgart. 

Wesentliche Merkmale der Waldorfpädagogik

Die wesentlichsten Punkte der Waldorfpädagogik sind die praktischen und künstlerischen Elemente der Erziehung. Die Kreativität soll besonders durch Spielzeug, das zum größten Teil aus Naturmaterialien wie Holz, Wolle und Filz besteht, gefördert werden. Weitere wesentliche Elemente des Konzeptes der Waldorfpädagogik, sind feste Rhythmen in der Zeitgestaltung. Diese festen Rhythmen geben Sicherheit und bilden die Leitplanken in der freien Gestaltung. Die Betreuung in der Waldorfpädagogik gliedert sich in verschiedene Phasen. Diese Phasen bestehen aus der künstlerischen Arbeit, dem Vorlesen oder dem freien Spiel. Darüber hinaus wird in der Regel die Woche in verschiedene Phasen eingeteilt, in denen an definierten Wochentagen bestimmte Aktivitäten durchgeführt werden. Die besondere Beachtung der Jahreszeiten spielt in der Waldorf-Pädagogik eine weitere große Rolle, da in Abhängigkeit der Jahreszeiten verschiedene Feste gefeiert werden. 

Das wesentlichste und bekannteste Merkmal der Waldorfpädagogik ist die Eurythmie. Jeder wird wohl schon darüber gelächelt haben, wenn es heißt "ah die Waldörfler", das sind doch die, die ihren Namen tanzen. Nun ja – so ähnlich. Die Eurythmie steht in den meisten Kindertagesstätten der Waldorfpädagogik auf dem Wochenplan. Sie ist eine von Rudolf Steiner himself entwickelte Bewegungskunst, die geistige Inhalte künstlerisch zum Ausdruck bringen soll. Steiner meinte, dass diese den Kinder hilft, Geist und Seele gesund und ausgeglichen zu entwickeln. 

Positiv ist über all die bereits erwähnten Dinge hinaus zu sagen, dass es möglich ist Kinder nach dem Waldorf-Kindergarten in die Waldorfschule gehen zu lassen. In der Waldorfschule wird das Konzept in der  pädagogischen Arbeit nahtlos bis in das junge Erwachsenenalter weitergeführt.

Weitere interessante Informationen dazu, gibt es im Verlag "Freies Geistesleben" zum nachlesen.

Der Reggio-Kindergarten

Die Reggio-Pädagogik ist nach dem Zweiten Weltkrieg in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia entstanden. Diese Pädagogik ist kein ausgefeiltes Theorie-Modell, sie versteht sich eher als Erziehungsphilosophie, die eine Reihe von Grundannahmen und flexibel handhabbaren pädagogischen Elementen miteinander verbindet. 

Ganz schön theoretisch, aber was bedeutet das?

Die wesentlichen Merkmale der Reggio-Pädagogik. 

Die Kunsterziehung. Diese nimmt einen wesentlichen Teil in der Pädagogik ein. Die Kleinen können in dieser Art des Kindergartens viel malen und handwerklich gestalten. Auch hier gibt es Spielzeug vor allem in Form von natürlichen Materialien und einfachen Werkzeugen. 

Eine weitere wichtige Komponente sind die Räumlichkeiten, die Gestaltung des Raumes. Im Idealfall sind diese Kindergärten wie ein italienisches Dorf gestaltet. Mit Räumen, in denen gearbeitet, gespielt und auf einer Piazza, auf deutsch Marktplatz, wo gemeinsam gegessen und sich ausgetauscht werden kann. Genauso wichtig wie die Räume der Gemeinschaft sind jedoch auch Rückzugsorte für Kinder. Mit diesem offenen Konzept werden Orte geschaffen, an denen sich die "Bewohner" zum Verschnaufen zurückziehen und ihnen Zeit für sich gegeben wird.  

Ein anderer wichtiger Punkt ist der Austausch der Kinder untereinander. Durch den forcierten Austausch wird ein Miteinander zwischen den Kindern geschaffen und stets und ständig weiter ausgebaut. So werden zum Beispiel die gemeinsam durchgeführten Projekte in der Gemeinschaft vorgestellt und diskutiert. 

Die Reggio-Pädagogik setzt im Gegensatz zu anderen Konzepten auf die Kooperation zwischen Erziehern und ihren Schützlingen. Die pädagogischen Fachkräfte haben die Rolle von Unterstützenden mit partnerschaftlichem Umgang, sie beobachten die Kinder, setzen Impulse und unterstützen ihre Aktivitäten. Man könnte es auch mit den Worten des Pädagogen Hubertus von Schönebeck sagen "Unterstützen statt erziehen".

Der Waldkindergarten

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Die Idee des Waldkindergarten stammt aus den skandinavischen Ländern, wo es Wald zu Hauf gibt. Der Mensch, der im Wald lebt, übte von jeher eine besondere Faszination aus. Diese Faszination wird in diesem Konzept der Kinderbetreuung aufgenommen in die Praxis gebracht.

Der wesentliche Ansatz des Waldkindergartens:

Der größte Unterschied der Waldkindergärten im Vergleich zu anderen Kindergärten ist, dass sich die Kinder die meiste Zeit im Freien, vorzugsweise im Wald, aufhalten und überwiegend mit den Dingen spielen, die sie dort vorfinden. Nur wenn es wirklich arg stürmt, regnet oder schneit, wird Unterschlupf in einem Bauwagen, aber auch Jurten oder Zelten gesucht. Dort haben die lieben Kleinen Zeit ihre Entwicklung durch Geschichten Erzählen, Malen und Basteln zu durchlaufen.

Mit der freien Natur in Form des Waldes als Aufenthaltsort, werden Lernziele verbunden. Pflanzen und Tiere sollen in ihren ursprünglichen Lebensräumen beobachtet und erlebt werden. Die wechselnden Jahreszeiten und Erscheinungen der Natur sollen von den Kindern direkt erlebt und durch die Erzieher in einen ökologischen Kontext gebracht werden. Die Wertschätzung gegenüber der Natur, den Tieren und der Gesellschaft, in der sie sich bewegen, bilden die Grundlage. 

Zusammenfasssung

Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren Kindergarten-Konzepten oder Mischformen. Da wären zum Beispiel

  • der bilinguale Kindergarten
  • der spielzeugfreie Kindergarten
  • die Kindertageseinrichtungen der Kirchengemeinde in der Nachbarschaft (Evangelischer Kindergarten, katholische Kindertagesstätten)
  • Kindergärten auf Grundlage integrativer Betreuung
  • die offenen Kindergarten-Einrichtungen
  • die private Kinderbetreuung in Form von Tagesmuttis
  • staatliche, soziale Kita-Einrichtungen 
  • der integrativer Kindergarten
  • die offene Arbeit mit Kindern
  • die Freinet-Pädagogik

Welche die beste pädagogische Grundlage in der Kinderkrippe ist, müssen die Eltern für sich bzw. individuell für ihren Spross entscheiden. 

Ein paar Gedankenstützen möchte ich jedoch noch mitgeben:

Letztlich sind die Menschen, die in der Einrichtung arbeiten entscheidend. Diese und nicht das Angebot bestimmen, wie gut oder wie schlecht die Betreuung - unabhängig von der pädagogischen Konzeption und dessen Träger sind. Die tollste Konzeption nutzt nichts, wenn die Mitarbeiterinnen unmotiviert sind und keinen Spaß an ihrer Arbeit haben. Das Wissen, dass es sich um eine besondere und verantwortungsvolle Tätigkeit handelt, sollte bei jedem Mitarbeitenden vorhanden sein. In diesem Zusammenhang sollte der Betreuungsschlüssel unbedingt erfragt werden. Es wäre sinnlos, wenn die motiviertesten Mitarbeiter zu viele kleine Menschen in ihrer Kindergartengruppe händeln müssen.

Auch sollten die äußeren Rahmenbedingungen nicht unterschätzt werden. Eine Einrichtung, zu der der junge Padavan eine Stunde gefahren werden muss, kann zwar toll sein, erzeugt jedoch Stress bei den Eltern insbesondere wenn die Betreuungszeit unter Umständen zu kurz ist. Die Zeit, die ein zu langer Anfahrts-/Abfahrtsweg frisst, könnte dann doch lieber für Spielen, Schmusen oder sonstigen schönen Dingen genutzt werden. Denn denkt immer daran, die liebenden Eltern als Erzieher samt ihrer Förderung sind der Mittelpunkt unserer Kleinen und durch keinen Kindergarten zu ersetzen.

Wie auch immer ihr euch entscheidet, ihr müsst zu dieser Entscheidung stehen. Die Kids merken sehr genau wie die Eltern den Kindergarten finden und übertragen dieses Empfinden dann auf sich und entwickeln ein entsprechendes negatives Gefühl für ihre Kita.

Mit diesem Wissen kann im Grunde bei der Wahl des Kindergartens nichts mehr schief gehen. 

Aber wie in allen Dingen, am Ende wird es gut und wenn es nicht gut ist dann ist es nicht das Ende!

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  • Dank & Hinweis

    "Wie auch immer ihr euch entscheidet, ihr müsst zu dieser Entscheidung stehen. Die Kids merken sehr genau wie die Eltern den Kindergarten finden und übertragen dieses Empfinden dann auf sich und entwickeln ein entsprechendes negatives Gefühl für ihre Kita."

    Danke Thomas. Das ist ein ganz wichtiger Hinweis. Eine solche Entscheidung braucht eine gewisse innere Nachhaltigkeit. Nicht ohne Grund gibt es bereits "Schulen in freier Trägerschaft", bei denen im Konzept verankert ist, dass ein "Coaching der Eltern" stattfindet. Dinge "anders" machen zu wollen erfordert Mut. Und der fällt mit Unterstützung eben leichter.