Patchwork Familien wie geht das so? | Furnart Blog

Patchworkfamilie! In der heutigen Zeit wo das tradierte Bild einer Familie immer mehr der Vergangenheit angehört rücken andere Konstrukte in den Vordergrund. Auf Grund dieses Trends und meiner eigenen Geschichte möchte ich mich mit dem Thema beschäftigen. 

Was ist eigentlich eine Patchworkfamilie? 

Um zu dem Teil zu kommen, wo einmal hinter den Vorhang geguckt wird, möchte ich den Begriff Patchwork-Familie zunächst einmal beleuchten. Eine Patchwork-Familie beschreibt das Konstrukt einer Stieffamilie. So zumindest die Begrifflichkeit in der Rechtssprache. Diese Art der Familie definiert sich durch den Sachverhalt, dass zumindest ein minderjähriges Kind mit einem biologischen Elternteil aufwächst und einer der Elternteile in einer neuen, anderen Beziehung lebt. Ungefähr 14 Prozent der Familien in Deutschland leben als Patchworkfamilie. Die Patchworkfamilie steht an dritter Stelle nach der der Kernfamilie und der "Ein-Eltern-Familie. 

Patchworkfamilie hört sich zunächst lustig an und alle haben das Bild einer großen Familie im Kopf wo es immer ordentlich Trubel gibt. Großes Haus, Hund, viele Kinder und alle fahren zusammen mit dem VW Bus, den Ex-Partnern mit deren Neuen und deren Kindern in den Urlaub. Schöne bunte Welt - leider nur in den seltensten Fällen. Sicher kann so etwas gut gehen, es muss jedoch viel an Geduld, Zurückstecken und Nerven investiert werden. 

Der Hype um Patchwork in Lifestylemagazinen und der Hippe Geist, der Patchwork-Familien umweht, hat sicher mit der Sehnsucht nach der in weit zurückliegenden Tagen existenziell notwendigen Großfamilie zu tun. Auch wenn diese in der näheren Betrachtung nicht so frei und bunt war, sondern eher das ganze Gegenteil. Strenge Hierarchien und ganz eigene, zumindest aus den Erzählungen meiner Oma auch sehr unschöne Momente waren dort die Regel. Heute wo in den urbanen Strukturen und einer aggressiven Arbeitswelt Vereinsamung die Regel ist, wird die Sehnsucht nach dem Leben in einem Bund von vertrauten Menschen, die sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind, unermesslich. Da gehen die Fantasien natürlich ein wenig durch und das Konstrukt der Patchworkfamilie wird glorifiziert. 

Doch der Alltag sieht in der Regel stressig und mitunter auch schwierig aus. 

Gerade für Kinder wird die ungewohnte Situation zum argen Stress-Moment. Die Trennung der Eltern ist noch nicht verwunden und die Teilung bringt eh schon viel Schmerz mit sich, muss sich nun an den neuen Menschen an der Seite der Mama oder des Papas auch noch gewöhnt werden. Wenn diese neuen Menschen dann ebenfalls ein Kind mitbringen, birgt die Situation viel Konfliktpotenzial. Da wird der Wortteil "Work" in Patchworkfamilie ganz physisch greifbar. Damit die Familie gut funktioniert und sich alle halbwegs wohlfühlen, sind Arbeit und ein ganzer Haufen Kompromissbereitschaft gefragt. 

Ich hatte Glück. Die Mutter meines ersten Sohns hatte sich als neuen Partner einen meiner besten Freunde auserkoren. Auch wenn sich Glück in dem Moment komisch anhört, ich wusste wie er tickt, mein Sohn kannte ihn und darüber hinaus wusste ich, dass mit ihm eigentlich nichts falsch laufen kann. Als dann nach drei Jahren mein mittlerer Sohn mit meiner damaligen Partnerin geboren wurde war auch das kein Problem. Wir feierten zusammen Weihnachten und fuhren gemeinsam im Sommer Paddeln. Alles ganz schön, eigentlich. Wie es in ihm aussah konnte ich jedoch nur erahnen. Später erzählte er mir einmal, dass er sich obwohl er seine Mutter und mich nie als Familie erlebte, immer wünschte das wir wieder zusammen kommen....

14 Jahre später wurde meine kleine Tochter geboren. Die großen Brüder freuten sich wie verrückt und sie wird auch im wörtlichen Sinne auf den Händen getragen. Obwohl mein großer Sohn nie bei uns richtig wohnte, wird er von Maggy als der ganz große Bruder verstanden und es passt alles. 

Wie die Dinge nun aber mal so laufen, war auch mit der Mutter meiner zwei Kinder nicht alles gut. Dinge wurden gesagt, Konflikte ausgetragen und irgendwann ein schmerzhafter Schlussstrich gezogen. Maggy hat mich nie, trotz langer Elternzeit, als in ihrem Reich existierender Vater erlebt. Die Chance in einer großen, funktionierenden Familie mit Kindern zu leben, ist für mich vertan. Meine Tochter ist momentan meist glücklich und freut sich auf Papa zu Hause mit dem anderen Kinderzimmer und dem tollen Hochbett. Meine neue Partnerin versucht mehr Freundin als Stiefmutter zu sein. Eifersüchteleien bleiben auf beiden Seiten jedoch nicht aus. Schwierig ist es, da ich weiß, dass die Frau an meiner Seite eigentlich nie Kinder haben wollte – aus diversen Gründen. Damit das Ganze funktioniert und die damit verbundenen Herausforderungen gemeistert werden, benötigen wir klare Absprachen und Regeln.

Gibt es elementare Tipps?

Wenn nach dem Thema „Patchwork-Familie“ und Tipps gegoogelt wird, ist die Anzahl der Treffer schier unendlich groß. Daher kann ich eigentlich nur das weitergeben, wovon ich glaube das es geholfen hat bzw. einen halbwegs allgemeingültigen Charakter hat.

1.Ganz viel Liebe

Kinder brauchen besonders in dieser Situation ganz viel Liebe. Es ist existenziell zu zeigen und zu vermitteln, dass die Probleme Mama und Papa haben. Es muss deutlich werden, an der Liebe zu den Kindern verändert die neue Situation gar nichts.

2. Das doppelte Zuhause

Wenn es möglich ist benötigen Kinder, auch wenn sie nur am Wochenende da sind, ein eigenes Zimmer oder zumindest einen Rückzugsort. Im Grunde gibt es für Maggy alles oder Vieles doppelt. Es ist zu stressig, wenn das Kuscheltier hier ist aber das Kind da. Zu oft bin ich noch in der Nacht losgefahren um das geliebte Kuscheltier hinzubringen oder zu holen weil an Schlaf sonst nicht zu denken ist.

3. Geduld

Geduld wird auf allen Seiten benötigt. Geduld mit der Ex, Geduld mit dem Kind und Geduld mit der Partnerin. Aber auch alle genannten untereinander müssen Geduld entwickeln. Egal welcher Plan aufgestellt wird, egal was in Betracht gezogen wird, alles aber auch wirklich alles kann schiefgehen und dann - einfach geduldig nochmal von vorne. Es wird so viel innere Ruhe von einem verlangt – ich kann es nicht in Worte fassen. Ich fing mit Yoga an. Atemübungen sollten auch beherrscht werden.

Mein damals 16-jähriger Sohn hat wahrscheinlich ein Jahr lang kein Wort mit meiner Freundin geredet. Er war jedoch zweimal in der Woche und jedes zweite Wochenende bei uns!

Inzwischen geht es und es werden sogar ganze Sätze gewechselt aber für die Geduld und Ausdauer bin ich meiner Freundin unendlich dankbar.

Wie lange muss Geduld geübt werden? Fachleute sprechen von bis zu fünf Jahren die es dauert, bis sich alles zurecht geruckelt hat.

Ich hatte als junger Mensch nicht so viel Geduld. Meine Mutter schleppte einen Typen an, der war so beknackt – ich bin mit 16 zu Hause ausgezogen. Wie gesagt alle müssen Geduld haben, auch die Kinder mit den neuen Partnern.

4. Regeln mit dem Ex

Super Wichtig! Wer holt wann das Kind, wohin wird es gebracht, bis wohin und nicht weiter. Das kostet richtig Arbeit. Letztlich wurde sich ja nicht getrennt weil alles so super lief, sondern weil die Kommunikation eh schon im Argen lag. Auch da wieder – tief durchatmen, den Ärger runterschlucken und bis zehn zählen. Ganz gefährlich – WhatsApp oder SMS schreiben. Geschriebenes klingt in der Regel immer passiv aggressiv oder wird sowieso missverstanden. Einfach weglassen und telefonieren. Auch wenn es schwerfällt – nicht über diese Kanäle kommunizieren.

Und dann?

Patchwork kann funktionieren, ganz oft aber auch nicht. Wichtig - Über alles reden. Kommunikation ist das Wichtigste überhaupt. Im Zuge dessen habe ich mich mit gewaltfreier Kommunikation beschäftigt und sehr wertvolle Tipps erhalten, wie ich mich auf meinen Gegenüber – egal ob groß oder klein – einlassen kann. Es ist erlernbar sich so auszudrücken, dass die anderen nicht verletzt oder gedemütigt aus der Situation gehen.

Die Glücksmomente in so einem zusammengewürfelten Konstrukt müssen gefeiert werden – genießt den Moment – dann wird alles gut!

 

 

 

 

 

 

 

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