Fernsehen und Kinder - Ab wann und wieviel? | Furnart Blog

Fernsehen ist der Deutschen liebste Zeitvertreib. Kinder mögen auch gern fernsehen - wie viel ist eigentlich gut und ab welchem Alter sollten die Kids überhaupt vor dem Bildschirm sitzen? Gibt es einen richtigen Umgang und wie sieht dieser aus? Ich versuche mich dem Thema zu nähern und habe eine ganz eigene Meinung. 

Obwohl wir in der heutigen Zeit mit einem Überangebot an Medien leben, mit einer noch nie dagewesenen Vielfalt, ist das lineare Fernsehen nach wie vor der Deutschen liebster Zeitvertreib. Wen wundert es, wenn Kinder bereits in recht jungem Alter mit diesem Medium in Verbindung kommen. Das Thema Fernsehen ist jedoch in Sachen Kind ein heißes Eisen. Alle wissen, dass TV-Konsum Schaden anrichten kann und trotzdem schaffen es die wenigsten Eltern den Umgang mit dem Fernsehen richtig zu händeln. Das liegt natürlich auch daran, dass es ein riesiges Angebot an Kinderprogrammen gibt und die Sendungen in der Regel versuchen einen pädagogischen Anstrich zu haben. 

Ob nun Kika, ZDFtivi oder Nickelodeon - gibt es Unterschiede, kann mein Kind problemlos Kika gucken und bei rictv explodiert der Kopf? 

Bevor ich in das Detail gehen, wie war das eigentlich in meiner Kindheit? Als ich Kind war, war Fernsehen für mich das Größte. Ich wollte immerzu Fernsehen. Je mehr meine Eltern versuchten das Ganze zu reglementieren, desto mehr Fernsehen wollte ich. Meinen Eltern hatten keinen richtigen Plan, mal durfte ich etwas sehen, mal wieder nicht. Ich bin einfach nicht dahinter gekommen nach welchen Kriterien sie die Auswahl vornahmen. Ein absolutes Highlight war das gemeinsame "Wetten, Dass" schauen. Man machte es sich gemütlich und kuschelte sich mit den Eltern auf das Sofa und los ging es. Das war natürlich sehr schön und nicht nur auf Grund dieser positiven Erfahrungen wurde der Fernseher irgendwann ein guter Freund. Im Nachhinein betrachtet schaute ich schon sehr viel fern - ob es mir geschadet hat kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich wäre ich ein großer Maler oder Musiker geworden, wenn ich nicht mein Brain mit sinnlosen Stunden vor dem Fernseher verballert hätte. Mir war es auch total egal ob es sich um Kinderfernsehen oder um das Schloss am Wörthersee handelte, Hauptsache es waren bewegte Bilder. 

Damit das Fernsehen bei den Kindern nicht wie bei mir zum Lebensinhalt wird, muss es klare Ansagen von den Eltern geben. Die Erwachsenen müssen sowohl die Dauer des TV-Konsums als auch Programmauswahl und Zeitpunkt des Fernsehens zunächst bestimmen. Bei größeren Kindern sollten natürlich gemeinsam Absprachen getroffen werden. 

Experten sind sich jedoch einig, dass kleine Kinder, gemeint sind damit Kinder unter drei Jahren, gar nicht fernsehen sollten. Sie sind noch zu sehr mit ihrer direkten Umgebung beschäftigt und können die Inhalte der Flimmerkiste noch nicht verarbeiten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt diese Richtwerte für die maximale Dauer des täglichen Fernseh- und Computerkonsums von Kindern:

Alter  Empfohlener Konsum

0-2 Jahre          gar kein Fernsehen

3-5 Jahre          maximal 30 Minuten

6-9 Jahre          maximal 60 Minuten

10-13 Jahre      maximal 90 Minuten

(Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)

Wie Kinder je nach Alter Fernsehsendungen oder Filme aufnehmen, zeigt eine Zusammenstellung von Wissenschaftlern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

Bis 2 Jahre hören Kinder mehr als dass sie schauen. Was daran positiv sein kann: Fernsehen kann dazu führen, dass kleine Kinder früher die Fähigkeit entwickeln, ein bewegtes Bild als Ganzes zu erfassen. Ein entscheidender Nachteil: Szenen die sie nicht einordnen können, können ihre geordnete Welt durcheinanderbringen. Deshalb ist es enorm wichtig kleine Kinder nie ohne Aufsicht fernsehen zu lassen. Das Beste ist es auf Fernsehen in diesem Alter komplett zu verzichten.

Mit 3 bis 5 Jahren: Fantasie und Realität werden noch nicht getrennt. Deshalb werden Darstellungen als wirklich und wahrhaftig erlebt, was deren Wirkung verstärkt. Kurzen Handlungen können Kinder in dieser Altersspanne bereits folgen und deren hoffentlich altersgerechtem Inhalten ebenso. Jedoch kann jede noch so tolle Kindersendung schnell zu Überforderung führen.

Im Alter von 6 bis 9 Jahren sind Kinder ihren Gefühlen nicht mehr ganz so krass ausgeliefert. Handlungen werden besser abstrahiert und wirken nicht mehr so überwältigend. Wie überall wenn Kinder in einem positiven Umfeld und in einer stabilen Beziehung aufwachsen wird das Gesehene besser verarbeitet und in den eigenen Kontext gesetzt. Szenen die verstörend wirken, sollten selbstredend vermieden werden. Überhaupt sollte der Fernseher nicht von den Kindern selbständig und allein eingeschaltet werden. Fernsehen muss in Absprachen mit den Eltern geschehen und diese sollten dann bitte ein Auge auf Inhalt und Zeit haben.

Im Alter von 10 bis 13 Jahren können nun Realität und Unwirkliches im Film zuverlässig voneinander unterschieden werden. Trotzdem wird unwirkliches Geschehen genauso ernst genommen wie reale und täglich erlebte Ereignisse. In diesem Alter kann jedoch Bildungsfernsehen durchaus als positiv aufgenommen werden.

So und jetzt fragen wir uns alle einmal wie lange und was gucken eigentlich unsere Kinder?

Die meisten Eltern die ich kenne lassen ihre Kids zu lange fernsehen. Dabei geschieht das noch nicht einmal bewusst. Ist doch der eigene Maßstab letztlich der entscheidende. Wenn also der Abend vor der Glotze verbracht wird, dann erscheint eine Stunde für die Kinder als nicht sooo lang.  Ganz problematisch, zumindest in meinen Augen, ist es wenn der Fernseher die ganze Zeit nebenher läuft. Die permanente Dauerbeschallung und die unbewusste Aufnahme dessen was da läuft sorgt gerade bei Kindern für Dauerstress, es wird zum Problem sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das hinterlässt nachhaltige Entwicklungsstörungen und sorgt für dafür, dass die Kids permanent unter Strom sind.

Und wie sieht es bei mir aus?

Wir hatten lange Zeit keinen Fernseher. Meine Söhne hatten keinen Zugang zum linearen Fernsehprogramm. Es war dann immer etwas Besonderes wenn wir gemeinsam ein Video ansahen. Irgendwann kam dann doch eine Glotze ins Haus. Es gab jedoch die Regel, dass an Wochentagen die Kiste eigentlich für die Kinder bis zum Abend aus war. Am Wochenende konnte dann doch schon mal in die Ferne geschaut werden. Nun muss ich jedoch sagen, dass die anderen Eltern im Kinderhaus ähnliche bis gleiche Vorstellungen von Fernsehzeiten hatten. Ein Ausgrenzen weil bestimmte Dinge nicht gesehen wurden, konnte nicht stattfinden. Das war in meiner Kindheit anders. Wenn da ein Klassenkamerad in der Grundschule einmal nicht „ein Colt für alle Fälle“ oder „ein Trio mit vier Fäusten“ gesehen hatte, gab es böse Hänseleien.

Aktuell besitze ich wieder keinen Fernseher, Maggy meine fast vierjährige Tochter, schaut jedoch trotzdem fast jeden Tag vor dem zu Bett gehen 10 min auf dem Tablet. Sie liebt Peppa Wutz. Ich merke jedoch, dass das bereits völlig ausreicht. Andere Kinder schauen in dem Alter bereits Paw Patrol oder ähnliches. Ich habe festgestellt, das ist noch nichts für sie. Die Bilder sind zu schnell und das Gesehene erzeugt auf Grund der schnellen Bild Wechsel und der gesamten Aufmachung Stress. Letztlich ist das sicher individuell. Ich glaube jedoch, wir Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und den Fernsehkonsum so weit wie möglich zurückfahren. Wenn die Glotze im Alltag der Eltern so gut wie keine Rolle spielt, werden Kinder die Kiste als nicht so existenziell wahrnehmen und das Bedürfnis Fernseh zu schauen wird sich in Grenzen halten.

Aber vielleicht bin ich auch nur ein bisschen komisch, in meiner Welt funktioniert das jedenfalls ganz gut so. 

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