Elternzeit - Was machen Väter eigentlich so? | Furnart Blog

Die Zahl der Männer, die in Elternzeit gehen steigt von Jahr zu Jahr. Jedoch sind die Männer in der Regel nur zwei Monate zu Hause. Warum ist das so und was machen die Jungs mit den Neuankömmlingen?

Elternzeit! Noch bevor meine kleine Tochter geboren wurde, also bereits in der Planungsphase stand für mich fest, Elternzeit muss sein. Für mich als Mann, mit dem Bewusstsein auf jeden Fall gleichgestellt sein zu wollen, musste eine Elternzeit definitiv realisiert werden. Bei meinen Söhnen gab es die Möglichkeit, des auch despektierlich genannten Vaterschaftsurlaubes noch nicht und so hatte ich gerade im ersten Jahr nur das Gefühl daneben zu stehen und zuzuschauen.

Ich möchte an dieser Stelle kurz betonen, dass dies meine ganz subjektive Meinung ist und ich keinen Mann verurteile, der sich der Aufgabe nicht gewachsen sieht, aus finanziellen oder anderen Gründen die Möglichkeit ausschlägt und das Feld der Mutter überlässt. Für mich jedoch stand fest, diese bezahlte Auszeit muss genutzt werden. So blieb ich dann auch ganze 6 Monate mit meiner kleinen Tochter zu Hause. Was soll ich sagen, ich wäre auch noch länger daheim geblieben. Die Zeit mit meinem Kind war grandios!

"Die Zeit mit meinem Kind war grandios!"

An dieser Stelle muss ich jedoch auch erwähnen, die Elternzeit wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht einen so verständnisvollen Arbeitgeber gehabt hätte. Dieser hat meine Entscheidung voll verstanden und mir diesbezüglich keine Steine in den Weg gelegt. Nicht alle Arbeitgeber bringen dieses Verständnis auf und sorgen für eine, zumindest in dieser Beziehung stressfreie Elternzeit.

Eine weiterer wichtiger Punkt war das Commitment der Mamma. Sie hat den Wunsch voll verstanden und mir das Vertrauen entgegengebracht, dass ich die für mich neue Situation gut meistern werde. Das ist nicht bei allen Frauen so. So ergaben Umfragen, dass es durchaus Mütter gibt, die gerade in der Anfangszeit ihr Kind nicht allzu gern Vollzeit in die Hände des Vaters geben. Die Entscheidung muss gemeinsam erarbeitet werden und stellt die Partnerschaft mitunter auf eine harte Probe. 

Ein weiterer Grund warum Väter die Chance nicht ergreifen bzw. nur für kurze Zeit aus dem Job gehen, es ist schlicht und ergreifend nicht für alle finanziell machbar. Leider verdienen Frauen auch im Jahre 2019 in ihrem Job meist deutlich weniger als der Mann. Da das Elterngeld nur zwischen 65 und 67 Prozent des Nettoeinkommens, maximal jedoch 1800 Euro beträgt – ersetzt es den Lohn ja nur zum Teil. Wenn die Frau dann nicht mit ihrem Einkommen das Loch stopfen kann, sieht es in der Regel schlecht aus. So sorgt eine Ungerechtigkeit für die Andere.

Doch was muss Mann im Vorfeld beachten damit es mit der Elternzeit richtig funktioniert. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

"Die wichtigsten Fakten im Überblick"

1. Die Zeiten

Es muss sich gut überlegt werden wann und wie die Elternzeit gesplittet werden soll. Verschiedene Modelle sind möglich. Insgesamt beträgt die Elternzeit 36 Monate, wovon 12 Monate in den ersten drei Lebensjahren des Kindes genommen werden müssen. Die verbleibenden 24 Monate können zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des kleinen Menschen genutzt werden.

2. Wer hat Anspruch

Einen Anspruch auf Elternzeit haben Eltern, deren Ehe- und LebenspartnerInnen sowie Adoptiv- und Pflegeeltern. Diese müssen zwangsläufig in einem Arbeitsverhältnis stehen. Natürlich müssen die Personen, die die Elternzeit beantragen, mit dem Kind in einem Haushalt leben. 

3. Fristen

Der Antrag auf Elternzeit wird bei dem Arbeitgeber gestellt. Es gelten die Fristen gemäß § 16 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG). Wenn der Vaterschaftsurlaub in den ersten drei Jahren des Kindes genommen werden möchte, besteht die Sieben-Wochen-Frist. Sieben Wochen vor der Geburt muss der Arbeitgeber informiert werden. 

Sollte die gesetzlich geregelte Auszeit in der Zeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes genommen werden, muss der Antrag spätestens 13 Wochen vorher beim Arbeitgeber eingehen. 

4. Was wichtig ist!

In den ersten drei Lebensjahre des Kindes besteht ein gesetzlicher Anspruch! Der Arbeitgeber darf den Antrag auf Elternzeit in dieser Zeit nicht ablehnen!

In der Zeit zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes kann der Arbeitgeber sich nur bei Vorliegen dringender betrieblicher Gründe gegen den Antrag stellen. 

5. Der finanzielle Rahmen

Das Elterngeld ist vom Nettoeinkommen abhängig und wird nur zeitlich befristet ausgezahlt. Elterngeld kann in der Elternzeit ab dem Tag der Geburt für mindestens zwei und höchstens zwölf Monate von einem Elternteil beantragt werden. Den frisch gebackenen Eltern stehen zwei zusätzliche Monate Elterngeld zu, wenn sich bei einem Elternteil das Erwerbseinkommen wegen der Betreuung des Kindes mindert. 

Elterngeld kann Frau bzw. Mann nacheinander, gleichzeitig oder abwechselnd nehmen. Alleinerziehende Eltern können die vollen 14 Monate Elternzeit beziehen wenn das Geld aus dem normalen Broterwerb wegfällt.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit die monatlichen Beträge zu halbieren und somit den Auszahlungszeitraum zu verlängern. Wenn die Elternzeit auf zwei Jahre ausgedehnt wird, kann das Elterngeld dahingehend gestreckt werden. 

Das Elterngeld muss bei der Elterngeldstelle, in der Regel im Jugendamt, beantragt werden. Ein Tipp, rechtzeitig beantragen! Je nach Barbeitungszeit kann also eine entsprechende Lücke entstehen in der erst einmal kein Geld kommt. 

Ich war so verpeilt, dass ich am ersten Tag meiner Elternzeit den Antrag gestellt habe. Gott sei Dank hatte ich einen Euro fuffzig beiseitegelegt und bin noch ganz gut über den Zeitraum gekommen. Wenn das nicht der Fall ist kann das ganz schön stressig werden. Also beachten!

Die Höhe richtet sich nach dem letzten Nettoeinkommen. Maximal 1800 EUR. Sollten also Verpflichtungen bestehen muss das beachtet werden.

Wenn eines der beiden Elternteile nebenher arbeiten möchte, darf die wöchentliche Zeit am Arbeitsplatz nicht mehr als 30 Stunden betragen. Teilzeitbeschäftigungen werden bei der Berechnung mit angerechnet. 

So und nun? 

Nach dem der ganze Kram beantragt, bewilligt und überhaupt alles schick ist, was macht Mann mit der Zeit? 

Eigentlich ganz einfach. Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zu dem, was Mütter in der Elternzeit machen. In der Hauptsache wird sich dem kleinen Kind gewidmet. Die meisten Väter versuchen sich feste Routinen zu schaffen und besuchen erfreulicher Weise immer mehr Kurse wie Pekip oder Babyschwimmen. Zugegeben es ist, aus eigener Erfahrung, Anfangs ziemlich ungewohnt als einziger Mann in einem Kurs aufzuschlagen aber auch das gibt sich. 

Ich habe mich in der Zeit ganz dem Tagesrhythmus meiner kleinen Tochter angepasst. Also viel schlafen und viel frische Luft - großartig. Wie viele andere jungen Eltern auch, haben wir damals einen längeren Urlaub verbracht. Wir waren vier Wochen in Südengland unterwegs und so verbrachten wir den ersten Geburtstag der süßen Maus in Bath in einem Youth Hostel. Sie erinnert sich natürlich nicht mehr aber es war ein sehr schöner Tag und ein sehr schöner Urlaub. Dieser war noch schöner als sonst, auch durch die Gewissheit nach dem Urlaub noch entspannte vier Monate zu Hause bleiben zu können. 

"...dem Tagesrhythmus meiner kleinen Tochter angepasst."

Abschließend kann ich für mich sagen, es war eine spannende, tolle Zeit mit Erfahrungen die ich niemals missen möchte. Ich empfehle es jedem Papa diese Chance zu nutzen! 

 

 

 

 

 

 
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